Adventsgruß

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht teilst Du mit mir ein bestimmtes Gefühl: Sprachlosigkeit will sich einstellen in unserer Zeit. Mir jedenfalls gehen manchmal die Worte aus. Und die festen Meinungen ebenfalls.

Selbstverständlich kann man über Privates reden. Ja, Musik geht auch. Fußball nicht mehr so locker. Dieser Spaß gehört jetzt, wie Urlaub und Weihnachtsbraten, zu den drängenden Gerechtigkeitsfragen, die von gequälten Seelen zum Himmel getragen werden. Was kann ich eigentlich Kluges und Wahres zu solchen Fragen sagen, ohne nicht gleichzeitig Dummes und Falsches zu sagen? Welche meiner Antworten wäre nicht billig oder weltfremd oder überheblich? Als Christ frage ich mich: Welche "Worte Gottes" können und sollen jetzt gesagt werden? Als Wahrheit, zur Orientierung oder zum Trost?

"Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns" - so klingt die Weihnachtsgeschichte nach Johannes. Und: "Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus geworden" (siehe Joh.1,14ff.). Mir scheint: Die Geburt von Jesus war ein Akt der Sprachlosigkeit Gottes. Als hätte Gott nichts mehr zu sagen gehabt. Als wollte Gott nur noch sein: Bei den Gequälten sein. Mitten drin sein in der Welt. Der Erlöser sein. Es ist schon interessant: Obwohl ein Säugling keine Worte im Mund formen kann, ist Gott durch dieses Kind so leuchtend da. Ebenso in der Passion: Nahezu stumm erträgt der Gekreuzigte seinen Weg, und redet dabei so laut. Es sind nicht Worte, mit denen Gott hier zur Welt spricht. Es ist sein liebendes Tun, durch das er sich deutlich und deutend einprägt.

Gute Worte mögen uns begleiten. Solche will auch ich für andere haben. Und wo uns die Antworten und Deutungen ausgehen, da können wir immer noch solidarisch sind. Denn so redet unser Leben. Mitten drin, helfend und verbindend, manchmal ertragend. Und immer wieder staunend, wie sich alles vermehrt, was wir teilen.

Mit herzlichen Grüßen aus Oldenburg,

Jann-Hendrik Weber